Dorfmoderation 2011


Arbeitsgruppe „Ortsbild- und Baustruktur“

 

Am 02.05 2011 um 18.00 Uhr war die Arbeitsgruppe ; Ortsbild und Baugestaltung“ zu einem Rundgang durch die Ortsmitte von Kottenheim eingeladen. Ortsbürgermeister Toni Schüller konnte 16 interessierte Bürger- und Bürgerinnen begrüßen. Da man sich gleich am Startpunkt auf dem Schulhof traf, wurde keine Anwesenheitsliste geführt.

Unter fachkundiger Führung der Herren K.H. Breidbach und K.H. Keip ging die Gruppe durch die Schulstrasse, Kirchstrasse, Bachstrasse, Kanalstrasse, Bahnhofstrasse, Hochstrasse und Burgstrasse.

Ziel des Rundganges war es, ortsbildprägende Gebäude und Gestaltungselemente zu identifizieren um so dazu beizutragen, die Wertschätzung der Bürger für die alten Häuser als kulturelles und historisches Erbe zu steigern.

Das Dorfbild von Kottenheim ist geprägt von massiven Gebäuden, überwiegend mit schmuckvollen Natursteinfassaden ausgestattet.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhundert verdienten viele Kottenheimer Bürger ihr Brot durch Arbeit in den Steinbrüchen. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Andernach- Mendig- Mayen im Jahr 1880 konnten Güter mit der Bahn versandt werden. Verbunden mit wirtschaftlichen Aufschwung, durch die französischen Reparationszahlungen nach Krieg von 1870/71, der sogenannten Gründerzeit erlebte auch die Steinindustrie der Region eine Blütezeit. Viele ältere Gebäude in Kottenheim wurden in dieser Zeit abgerissen und Neue errichtet. Der Baustil dieser Epoche prägt daher entscheidend das Dorfbild und wurde von verschiedenen Stilrichtungen beeinflusst:

Historismus

Reformstil

Jugendstil

So sind viele reich verzierte mit aufwendigen Natursteinelemente ausgestattete Wohn- und Geschäftshäuser in Kottenheim entstanden,. Ältere Gebäude, die noch aus der ersten Hälfte des 19.Jahrhundert stammen, sind zwar auch aus Naturstein, meist Basaltlava errichtet, jedoch in viel einfacherer Weise, ohne Zierformen, gestaltet.

Die typischen Gestaltungselemente der Gebäude sind in Kottenheim überwiegend gut erhalten.

Dazu gehören:

 

Fassaden

 

  • Natursteinfassaden aus Basaltlava und Tuffstein
  • Trauf- und Ortganggesimse, oft noch besonders verziert mit Elementen des Steinmetzhandwerks
  • Brüstungsriegel
  • Fenster- und Türgewände
  • Eckquader, oft mit Ornamenten verziert
  • Putzfassaden sind meist reich verziert mit Natursteineinfassungen an den Fenster- und Türgewänden, Gebäudeecken, Sockeln und
  • Stuckelementen, oft florale Elemente, Motive aus der Natur oder auch geometrische Formen

 

Dächer

 

  • Die typische Dacheindeckung in Kottenheim ist der Moselschiefer. Heute muß dann aus Kostengründen oft aus spanischen Schiefer zurückgegriffen werden.
  • Als Dachformen findet man sowohl das einfache Satteldach
  • wie auch Mansarddächer
  • mit Ziergiebeln und Gauben

 

Fenster und Türen

 

  • Fenster und Türen sind ebenfalls handwerklich aus Holz gefertigt.
  • Typische Fensterform ist das sogenannte „Galgenfenster“, bestehend aus zwei Fensterflügeln mit einem Oberlicht
  • Außerdem findet man reich verzierte Rundbogenfenster.
  • Immer sind es stehende Rechteckformate, mit Flügeln und/ oder Sprossen zur Unterteilung
  • Sehr viele der alten Haustüren sind gut erhalten und Schmuckstücke des Schreinerhandwerks.

 

Scheunen

 

Prägend für das Kottenheimer Ortsbild sind auch die zahlreichen Nebengebäude, die Bestandteil sind der typischen, ländlichen Haus- Hof- Bauweise.

  • Die Scheunengebäude haben
  • rechteckige Grundrisse, welche meist eine
  • Tenne, ein Strohlager und Viehställe umfassen
  • Mauerwerk aus Basaltlava,
  • ein Satteldach mit Schieferdeckung
  • geringen Dachüberstand
  • kleine Lüftungsgauben
  • Holztore und -stalltüren

 

Schlussdiskussion

 

Der Abschluss des Rundganges fand in der „Alten Post“ in der Burgstrasse statt. Obwohl einige Teilnehmer des Rundgangs sich verabschieden mussten, entspann sich eine rege Diskussion. Übereinstimmung bestand in der Meinung

  • Die historische Bausubstanz hat einen hohen Identifikationswert für das Dorf
    ( Neubaugebiete sind „Auswechselbar“)
  • Der Erhalt und die Sanierung der ortsbildprägenden Gebäude ist ein wichtiges Ziel der Dorferneuerung

Da in der Bevölkerung oft die geringe Wertschätzung von Altbauten einher geht mit der Furcht vor finanziellen Unwägbarkeiten und ohnehin zu hohen Kosten von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, sind Maßnahmen zu überlegen, die dazu beitragen, Hauseigentümer welche Sanierungsmaßnahmen vornehmen, für die Schönheit den Wert der historischen Bausubstanz zu Sensibilisieren und Zerstörung durch gut gemeinte aber falsche Sanierungsmaßnahmen zu verhindern.

Insbesondere soll auch versucht werden, junge Familien, welche ein Eigenheim erwerben möchten, für Gebäude im Ortskern zu interessieren.

 

 

Mögliche Maßnahmen sind:

 

  • Erstellung von örtlichen Gestaltungsempfehlungen verbunden mit
  • Information über die Förderprogramme
  • und Finanzierungsmöglichkeiten bei Altbausanierung
  • Intensivierung der von der Ortsgemeinde angebotenen Vor-Ort-Beratung
  • Hilfestellung der Gemeinde bei Vermarktung leerstehender Objekte durch eine kommunale Immobilienbörse

Verschiedenes

 

Ein weiterer guter Vorschlag war, mit der Ortsgemeinde zu besprechen ob die Protokolle der Arbeitsgruppentreffen im Internet auf der Seite der Ortsgemeinde veröffentlicht werden könnten. Dies würde sicherstellen, das die Teilnehmer der Arbeitsgruppen und auch die Mitglieder des Ortsgemeinderates und sonstiger Gremien sich kontinuierlich über alle Themen informieren können und dazu beitragen auch Bürger zu erreichen, welche das offizielle Mitteilungsblatt wenig oder gar nicht lesen.

 

 

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